Mit den Erfolgen stiegen auch die
Zuschauerzahlen deutlich an. Beim Endspiel um die
Ruhrgau-Meisterschaft für die Saison 1926/27 gegen den BV
Altenessen verfolgten 10.000 Zuschauer das Spiel in Essen. Das Heimspiel fand auf dem 1926 fertig
gestellten Jahnplatz in Gelsenkirchen-Heßler vor etwa 15.000
Zuschauern statt, weil der eigene Platz an der Grenzstraße mit
seinen maximal 5.000 Zuschauerplätzen nicht ausreichte.
Als dann
am 10. April 1927 der FC Schalke 04 um die Westdeutsche
Meisterschaft gegen den Duisburger SV spielte, kamen 40.000
Zuschauer ins Wedau-Stadion. Auch bei den Spielen zuvor wurden
z.T. über 20.000 Zuschauer gezählt. Mit den Schalker Erfolgen
wurden die Spiele also vom lokalen Ereignis im Stadtteil zu
einer Sache, die nun die ganze Stadt und schließlich auch die
Region interessierte, und auch national war der Schalker
Fußballverein nun wahrnehmbar. Der Zuschaueranstieg war aber
auch ein in ganz Deutschland beim Fußball, aber auch bei anderen
Sportarten (Bahn-Radrennen, Boxen etc) zu beobachtendes
Phänomen. Die Entwicklung des Massenzuschauersports war Teil
eines Prozesses zur Entwicklung einer Massenkultur und der
Kommerzialisierung von Sport, Freizeit und Kultur, der
begünstigt wurde durch die in der Weimarer Republik erreichten
Arbeitszeitverkürzungen, also die Ausdehnung von Freizeit, und
das Aufkommen neuer Massenmedien wie zunächst der
Generalanzeiger-Presse, des Kinos mit den Wochenschauen und
schließlich des Radios. In einer immer differenzierteren
Gesellschaft, die zu Weimarer Zeiten (und noch lange darüber
hinaus) zudem milieuhaft gespalten war, hatte der Sport und
gerade die Fußballbegeisterung auch eine gemeinschaftsbildende
und sozial integrierende Bedeutung. In der Arbeiterstadt
Gelsenkirchen konnten weiterhin auch große Teile der Bevölkerung
die aus der Arbeiterschaft stammenden Schalker Fußballer als
Ihresgleichen ansehen. Später kam hinzu, dass der
Massenzuschauersport auch das wachsende Heer der Arbeitslosen
im zunächst von einem ersten Strukturwandel und dann der
Weltwirtschaftskrise gebeutelten Ruhrgebiet von ihrer trostlosen
Lebenslage ablenken konnte.